Was ist ein KI-Coach? Der Beruf, der die menschliche Lücke schließt
Die Lizenzen sind bezahlt, die Werkzeuge installiert, die Förderprogramme aufgelegt. Was fehlt, sind Menschen, die anderen zeigen, wie man mit Künstlicher Intelligenz arbeitet und wann man ihr misstrauen muss. Der Autor Niko Martzy nennt sie KI-Coaches und hält sie für die wichtigste Figur der kommenden Arbeitswelt.

Inhalt
- Auf einen Blick
- Die Lücke der KI ist nicht technisch, sondern menschlich
- Ein Beruf, den es gestern noch nicht gab
- Was ein KI-Coach tut: fünf Schritte im Friseursalon
- Was ein KI-Coach nicht ist
- Die drei Kompetenzen eines KI-Coaches kommen selten zusammen
- Ein guter KI-Coach lehrt Misstrauen
- Wer KI-Coach werden kann
- Warum ausgerechnet Deutschland KI-Coaches braucht
Wuppertal, kurz nach sieben. Im Salon brennt nur die Lampe über dem Empfangstresen, die Föhne hängen still an ihren Haken, es riecht noch nach dem Shampoo vom Vorabend. Die Inhaberin sitzt mit dem Smartphone am Tresen. Auf dem Display warten drei Entwürfe, vorbereitet von einer KI: eine Erinnerung an den Termin um zehn, eine Antwort auf die Frage, die jede Woche wieder kommt, ein Vorschlag, wie sich die Lücke am Nachmittag füllen ließe. Sie liest, ändert ein Wort, schickt zwei Nachrichten ab. Die dritte löscht sie. Das entscheidet sie, nicht die Maschine.
Die Friseurin stammt aus dem Buch „Der KI-Coach“ von Niko Martzy, und sie ist dort keine Visionärin, sondern ein Beispiel. Sie baut sich 2026 eine KI-gestützte Kundenverwaltung auf, ohne Kredit und ohne IT-Abteilung. Möglich wird das, weil jemand ihr eine Weiterbildung bezahlt und sie dabei begleitet hat. Diese Begleitung hält Martzy für den eigentlichen Engpass der KI-Revolution. Wer sie leistet, ist für ihn ein KI-Coach.
Ein KI-Coach befähigt Menschen und Organisationen, Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll in ihre tägliche Arbeit zu übersetzen. Er klärt, wo KI nötig ist, wo sie empfehlenswert ist und wo sie besser eingesetzt werden kann, erprobt sie an echten Abläufen und verankert das Wissen im Team. Sein Ziel ist nicht, gebraucht zu werden, sondern dass die anderen selbst handeln können.
Die Lücke der KI ist nicht technisch, sondern menschlich
Wer verstehen will, warum ein neuer Beruf entsteht, muss zuerst auf zwei Zahlen schauen, die nicht zueinander passen. 81 Prozent der Unternehmen in Deutschland halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie, so der Digitalverband Bitkom in seiner Studie „Künstliche Intelligenz 2025“. Gleichzeitig wurde erst rund ein Fünftel der Beschäftigten im Umgang mit KI geschult, und 70 Prozent berichten, dass ihr Arbeitgeber gar keine KI-Schulung anbietet (Bitkom-Beschäftigtenbefragung 2025). Martzy bringt den Widerspruch in seinem Buch auf eine einfache Rechnung: Fast alle halten KI für entscheidend, aber weniger als ein Drittel der Unternehmen bildet seine Mitarbeiter systematisch darin weiter.
Am Zugang liegt es nicht. ChatGPT erschien im November 2022 und hatte nach fünf Tagen eine Million Nutzer, nach zwei Monaten hundert Millionen. „Die Schwelle ist niedriger als bei jeder Technologie zuvor. Ein Laptop genügt. Der erste Prompt reicht.“ So steht es im Buch, und doch bleibt in vielen Betrieben vieles beim Alten. Martzy erzählt von Unternehmen, die dreißig Lizenzen kaufen und am Ende drei Nutzer haben. Sie behandeln KI wie ein Instrument, das man einmal anschafft. Nur spielt auch eine gekaufte Stradivari kein Konzert, wenn niemand übt und niemand begleitet. Warum KI-Projekte so oft an genau dieser Stelle hängen bleiben, beschreibt unser Beitrag Warum KI-Einführungen scheitern.
Martzys Kernthese reicht weiter als die Frage nach Schulungsquoten. „KI verändert nicht, was wir arbeiten. KI verändert, was es heißt, ein Mensch zu sein.“ Deutschland, argumentiert er, habe alles, um diese Veränderung zu gewinnen: eine präzise Sprache, eine dichte Bildungsinfrastruktur, eine lange Denktradition. Was fehle, seien Menschen, die anderen zeigen, wie man KI nutzt, als Werkzeug, als Denkpartner, als mächtigste Kulturtechnologie seit dem Buchdruck. Sein Befund in vier Sätzen:
„Deutschland hat nicht zu wenig Technologie. Deutschland hat zu wenig Mut, die Technologie an die Menschen zu bringen. Die Infrastruktur ist da. Der Inhalt fehlt.“
Ein Beruf, den es gestern noch nicht gab
Es ist nicht lange her, da galt auch der Social-Media-Manager als Kuriosum. Niemand hatte das gelernt, es gab keine Ausbildung, kein Berufsbild, keine Stellenanzeigen mit klaren Anforderungen. Dann verschwand der Bedarf nicht wieder, und aus einer Tätigkeit wurde ein Beruf. Martzy kennt solche Übergänge aus der Nähe. Sein Unternehmen begleitet seit über zwanzig Jahren Menschen durch berufliche Umbrüche: Digitalisierung, E-Commerce, Social Media, jetzt KI. Er ist kein Informatiker und kein Philosoph, sondern Bildungsunternehmer, und er schreibt aus dieser Perspektive.
Zwei Kapitel seines Buchs widmen sich dem neuen Beruf. In Kapitel 19, „KI-Coach: der neue Superstar am Arbeitsmarkt“, skizziert er, was diese Menschen können müssen. In Kapitel 20, „Warum KI-Coaching ein Beruf wird“, begründet er, warum daraus mehr wird als ein Nebenjob für Technikbegeisterte.
Ein Bild aus dem Buch macht den Kern greifbar. Ein Dachdecker, eine Steuerberaterin, ein Personalleiter bauen sich heute mit „Vibe Coding“ eigene kleine Programme, ohne eine Zeile Code zu verstehen. Zwischen dem Dachdecker, der einmal mit ChatGPT experimentiert, und dem, der KI systematisch in sein Geschäft einbaut, liegt laut Martzy kein technisches Hindernis. Dazwischen liegt ein menschliches Bedürfnis: Begleitung.
Dazu kommt der Druck von außen. Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Artikel 4 der EU-KI-Verordnung Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen. Ein bestimmtes Zertifikat schreibt die Regel nicht vor, aber irgendjemand muss diese Kompetenz aufbauen. Und die Gründerszene zeigt, wohin die Reise geht: Laut Startup-Verband stieg die Zahl der Gründungen in Deutschland 2025 um 29 Prozent, 27 Prozent der Neugründungen haben KI als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells, nach 18 Prozent im Vorjahr.
Auch die Psychologie spricht für den Beruf. Martzy beschreibt einen Personalleiter in Hessen, der erst begeistert ist und dann enttäuscht, die klassische Kurve vom Gipfel der überzogenen Erwartungen ins Tal der Enttäuschungen. Den Pfad hinaus, den Weg der Erleuchtung, gehen die wenigsten allein. Wie Martzy selbst darüber spricht, was ein KI-Coach tut und warum der Beruf gerade jetzt entsteht, ist auch im Podcast KI Hero zu hören (Bild und Stimmen mit KI erzeugt).
Was ein KI-Coach tut: fünf Schritte im Friseursalon

Zurück nach Wuppertal. Im Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“, der das Buch ergänzt, taucht die Friseurin als Fallbeispiel auf, mit zehn Mitarbeitenden und den Sorgen eines kleinen Betriebs: Termine, die ausfallen, Kundenfragen, die sich ständig wiederholen, Verwaltung, die liegen bleibt. Wie ein KI-Coach hier arbeitet, lässt sich in fünf Schritten erzählen.
Klären. Am Anfang steht keine Software, sondern eine Frage: Wo hakt es, und wo kann KI überhaupt helfen? Martzy unterscheidet drei Fälle. Es gibt Stellen, an denen KI nötig ist, Stellen, an denen sie empfehlenswert ist, und Stellen, an denen sie besser eingesetzt werden kann als bisher. Im Salon fällt die Wahl auf einen einzigen, klar begrenzten Ablauf. Nicht alles auf einmal.
Übersetzen. Der Ablauf wird in Schritte zerlegt, die eine Maschine unterstützen kann. Dabei geht es weniger um Prompts als um Daten: Welche Kundendaten dürfen überhaupt verarbeitet werden, welche nicht? Wer gibt eine Nachricht frei, bevor sie rausgeht?
Erproben. Der neue Ablauf läuft an echten Fällen, nicht an Beispielen aus einer Schulungsfolie. Was funktioniert, bleibt. Was holpert, wird angepasst. Und es wird schriftlich festgehalten, was die KI nie allein entscheiden darf.
Befähigen. Das Team lernt, mit den Vorlagen zu arbeiten und sie selbst zu verändern. Der Coach erklärt, warum eine Formulierung funktioniert und eine andere nicht, damit niemand nur Knöpfe drückt.
Verankern. Am Ende stehen wiederverwendbare Vorlagen, klare Freigaben und eine einfache Regel: Die letzte Entscheidung trifft ein Mensch. Das Team entwickelt das System selbst weiter. Der Coach zieht sich zurück.
Typische Ergebnisse eines solchen Prozesses nennt der Ratgeber ebenfalls: ein priorisierter Anwendungsfall, ein getesteter Arbeitsablauf, eine Bibliothek mit Prompts und Vorlagen, Leitplanken für Daten und Qualität und ein Plan, wie das Gelernte im Alltag ankommt. Das klingt unspektakulär, und genau das ist der Punkt.
„Das ist kein Zukunftsszenario. Das ist eine Dienstagnachmittag-Sitzung mit dem richtigen Menschen.“
Was ein KI-Coach nicht ist
Mindestens so aufschlussreich wie die Aufgaben ist die Abgrenzung. Der Ratgeber zum Buch stellt beides gegenüber:
| Ein KI-Coach ist | Ein KI-Coach ist nicht |
|---|---|
| Übersetzer zwischen Technologie und Arbeitsalltag | Verkäufer von Tools |
| Begleiter beim Erproben realer Anwendungsfälle | Ersatz für Rechts-, Datenschutz- oder Fachberatung |
| Vermittler von Regeln, Risiken und Qualitätsmaßstäben | Automatisierer um jeden Preis |
| Befähiger, der Wissen im Team verankert | Dauerkrücke |
Die rechte Spalte schützt vor zwei Versuchungen. Die erste ist kommerziell: Wer an Lizenzen verdient, empfiehlt Lizenzen. Ein KI-Coach empfiehlt manchmal, ein Werkzeug gar nicht einzusetzen. Die zweite ist bequem: Wer unverzichtbar bleibt, hat Arbeit auf Dauer. Ein guter KI-Coach misst seinen Erfolg daran, dass man ihn nicht mehr anruft. Ein Kapitel in Martzys Buch trägt den Titel „Ich schaffe mich ab, aber ich liebe es!“. Als Berufsmotto taugt das erstaunlich gut.
Die drei Kompetenzen eines KI-Coaches kommen selten zusammen
In Kapitel 19 beschreibt Martzy das Profil in drei Teilen. Ein KI-Coach versteht Technologie, ohne naiv zu sein. Er versteht Menschen, ohne ungeduldig zu werden. Und er versteht Unternehmen, ohne weltfremd zu argumentieren. Wer eines davon kann, ist Spezialist. Wer alle drei beherrscht, ist selten, und darin liegt der Wert des Berufs.
Der Ratgeber übersetzt diese Dreiteilung in drei Kompetenzfelder, die sich prüfen und trainieren lassen. Anwenden heißt: Tools und Modelle kennen, Prompts und Arbeitsabläufe bauen, Ergebnisse prüfen und verbessern. Vermitteln heißt: Übungen entwickeln, die Sprache der Zielgruppe sprechen, Veränderung begleiten und dafür sorgen, dass Gelerntes im Alltag ankommt. Einordnen heißt: Branche und Prozesse verstehen, Risiken und Recht im Blick behalten, Rollen und Grenzen klar benennen.
Die drei Kompetenzen eines KI-Coachs
- 01
Anwenden
Technologie verstehen, ohne naiv zu sein.
- Tools und Modelle
- Prompting und Arbeitsabläufe
- Prüfen und verbessern
- 02
Vermitteln
Menschen verstehen, ohne ungeduldig zu werden.
- Didaktik und Übungen
- Empathie und Sprache
- Transfer und Veränderung
- 03
Einordnen
Unternehmen verstehen, ohne weltfremd zu sein.
- Branche und Prozesse
- Risiken und Recht
- Rollen und Grenzen
KI-Coach: verbinden · erklären · befähigen
Wer nur Tools kennt, bleibt Trainer. Wer nur moderiert, bleibt Prozessbegleiter. Ein KI-Coach verbindet alle drei Felder.Quelle: Niko Martzy, „Der KI-Coach“, Kapitel 19; Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“, Whitesides Publishers 2026
Die Pointe steckt in einem Satz des Ratgebers, hier sinngemäß: Wer nur die Tools kennt, bleibt Trainer. Wer nur moderiert, bleibt Prozessbegleiter. Ein KI-Coach braucht beides und dazu das Urteil, wann eine Technik in einem Betrieb sinnvoll ist und wann nicht. Das erklärt auch, warum der Beruf nicht einfach eine Umbenennung des IT-Trainers ist. Der IT-Trainer erklärt, wo der Knopf ist. Der KI-Coach fragt, ob man den Knopf überhaupt drücken sollte.
Ein guter KI-Coach lehrt Misstrauen
An dieser Stelle wird Martzys Buch unbequem, und zwar für die Begeisterten. Einer seiner zentralen Sätze über den Beruf lautet:
„Ein KI-Coach lehrt nicht nur, wie man KI nutzt. Er lehrt, wie man KI misstraut.“
Wie nötig das ist, zeigt ein Fall aus New York. Der Anwalt Steven Schwartz reichte 2023 bei Gericht sechs Präzedenzfälle ein, die ChatGPT erfunden hatte. Sie waren sauber formatiert, mit Aktenzeichen, und keiner davon existierte. Es war kein Hackerangriff und kein technischer Defekt. Es war Vertrauen an der falschen Stelle.
Martzy erzählt eine ähnliche Geschichte über sich selbst, im Kapitel „Die miese Masche: wie KI dein Vertrauen gewinnt“. An einem einzigen Tag baute er mit KI fünf Anwendungen. Am dritten Tag merkte er, dass es Fassaden waren: gemalte Fenster, Türen ins Leere. Die Maschine hatte nie widersprochen, sie hatte jede Idee gelobt. KI gewinnt Vertrauen über ihr Verhalten, schreibt Martzy, und das gelingt ihr gerade bei den Klügsten.
Der beliebte Vergleich mit dem Taschenrechner greift deshalb zu kurz. Natürlich bleibt die Verantwortung beim Menschen, wie beim Rechnen auch. Aber ein Taschenrechner, der sich vertippt, liefert offensichtlichen Unsinn. Eine KI, die sich irrt, liefert plausiblen Unsinn. Halluzinationen sind für Martzy deshalb kein Kinderfehler, den man aussitzt, bis die nächste Modellversion kommt. Sie sind der Grund, warum der Mensch wach bleiben muss. Ein KI-Coach trainiert genau diese Wachheit: Quellen prüfen, Gegenfragen stellen, Ergebnisse gegen das eigene Fachwissen halten.
Wer KI-Coach werden kann

Die gute Nachricht des Buchs: Der Beruf hat keine Eintrittskarte aus Informatik. Der Ratgeber nennt vier Wege hinein. Erfahrene Fach- und Führungskräfte bringen Branchenwissen mit. Junge Berufstätige bringen Neugier und Werkzeugkenntnis mit. Berufsstarter können sich früh spezialisieren. Und Quereinsteiger aus Pflege, Handwerk, Verwaltung oder Handel kennen Arbeitsabläufe, die Technikexperten nie von innen gesehen haben. Arbeiten lässt sich später als Freiberufler, als interner Multiplikator im Unternehmen, in Beratung und Verwaltung oder im kreativen Bereich.
Der Weg dorthin beginnt unspektakulär. Zuerst selbst anwenden und ein Lernjournal führen. Dann systematisch lernen, Praxis nachweisen, sich positionieren und anfangen. Beim Positionieren gilt ein Grundsatz, den der Ratgeber knapp formuliert: spitz schlägt breit. Wer KI-Coach für Zahnarztpraxen oder für Kommunalverwaltungen ist, wird eher gefunden als jemand, der „alles mit KI“ anbietet.
Auch zu Zertifikaten hat der Ratgeber eine nüchterne Haltung. Ein Zertifikat gibt Orientierung, Glaubwürdigkeit entsteht aber durch verständliche Vermittlung, dokumentierte Praxis und verantwortlich gezogene Grenzen. Wer eine Qualifizierung sucht, sollte vor der Buchung drei Fragen stellen: Welche Handlung kann ich danach selbst ausführen? Wie werden Praxis, Qualität und Grenzen geprüft? Und welche Förderung gilt für meine persönliche Situation? Ob eine Weiterbildung gefördert wird, hängt von den eigenen Voraussetzungen und der Bewilligung im Einzelfall ab. Was eine gute KI-Weiterbildung ausmacht, vertieft unser Beitrag KI-Weiterbildung: woran Sie gute Angebote erkennen.
Wer erst einmal prüfen will, ob der Beruf passt, kann es mit einem 30-Tage-Experiment versuchen: in der ersten Woche beobachten, wo im eigenen Umfeld KI helfen könnte, in der zweiten erproben, in der dritten jemand anderem etwas davon beibringen, in der vierten die eigene Nische formulieren. Den vollständigen Ablauf und einen Selbsttest mit neun Aussagen enthält der Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“, den Sie gratis über den Newsletter zum Buch erhalten.
Warum ausgerechnet Deutschland KI-Coaches braucht
Man könnte meinen, das Land der Bedenkenträger sei der falsche Ort für einen KI-Beruf. Martzy sieht es umgekehrt. Deutschland hat, was er ein Ökosystem der zweiten Chance nennt: Volkshochschulen, Kammern, das duale System, Akademien, staatlich finanzierte Weiterbildung. Die Infrastruktur steht. Was ihr fehlt, ist der Inhalt, und genau den liefern KI-Coaches.
Dazu kommt ein Vorteil, den viele übersehen: die Sprache. Wilhelm von Humboldt nannte die Sprache das bildende Organ des Gedankens, Ludwig Wittgenstein sah in den Grenzen der Sprache die Grenzen der eigenen Welt. KI ist im Kern eine Sprachmaschine. Wer präziser formuliert, bekommt präzisere Ergebnisse. Ein Land, das seit Jahrhunderten um genaue Begriffe ringt, hat hier einen Heimvorteil, wenn es ihn denn nutzt.
Ob es ihn nutzt, ist offen. Martzy beschreibt die Lage als Pokertisch. Der Croupier kündigt ein neues Spiel an. Amerika und China hören zu und stellen Fragen. Deutschland ist genervt, empört sich über den Croupier und sucht Gründe, nicht mitzuspielen. Der Croupier antwortet sinngemäß, es sei ein freier Tisch, man könne jederzeit aussteigen. Martzy bleibt sitzen, am Tisch und im Land. Seine Begründung passt in einen Satz aus dem Buch: „Die größte Gefahr ist nicht die Technologie. Es ist die Tatenlosigkeit.“
Die Friseurin aus Wuppertal hat diese Tatenlosigkeit hinter sich gelassen, mit Hilfe eines Menschen, der ihr den Weg gezeigt hat. Deutschland braucht viele solcher Menschen. Es braucht KI-Coaches.
Häufige Fragen
Was macht ein KI-Coach?
Ein KI-Coach hilft Menschen und Organisationen, Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll in ihre Arbeit einzubauen. Er klärt mit ihnen, wo KI nötig, empfehlenswert oder besser einsetzbar ist, erprobt Anwendungen an echten Abläufen, legt Regeln für Daten und Qualität fest und bringt dem Team bei, selbstständig weiterzuarbeiten. Dazu gehört ausdrücklich, Misstrauen gegenüber plausibel klingenden Fehlern der KI zu trainieren.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Coach und KI-Manager?
Ein KI-Manager steuert die Einführung von KI in einer Organisation, also Strategie, Prioritäten, Budgets und Verantwortlichkeiten. Ein KI-Coach arbeitet näher an den Menschen: Er befähigt Mitarbeitende, KI im Alltag gut zu nutzen und kritisch zu prüfen. In der Praxis ergänzen sich beide Rollen. Den ausführlichen Vergleich lesen Sie in unserem Beitrag KI-Coach oder KI-Manager.
Braucht ein KI-Coach Programmierkenntnisse?
Nein, Programmierkenntnisse sind für einen KI-Coach keine Voraussetzung. Wichtiger sind drei andere Fähigkeiten: KI-Werkzeuge sicher anwenden und Ergebnisse prüfen, Wissen verständlich vermitteln und Abläufe, Risiken und rechtliche Grenzen eines Betriebs einordnen. Technisches Grundverständnis hilft, doch viele gute KI-Coaches kommen aus Handwerk, Pflege, Verwaltung oder Handel und bringen genau das Praxiswissen mit, das Technikexperten fehlt.
Wie wird man KI-Coach?
Man wird KI-Coach, indem man KI zuerst selbst konsequent nutzt, dann systematisch lernt, Praxis an echten Fällen nachweist und sich auf eine Zielgruppe spezialisiert. Ein Zertifikat gibt Orientierung, entscheidend ist aber nachweisbare Vermittlungspraxis. Eine Weiterbildung kann gefördert werden, das hängt jedoch von den persönlichen Voraussetzungen und der Bewilligung ab. Ein 30-Tage-Experiment im Ratgeber zum Buch hilft beim Einstieg.
Für welche Unternehmen lohnt sich ein KI-Coach?
Ein KI-Coach lohnt sich vor allem für Unternehmen, die KI-Lizenzen gekauft haben, deren Teams die Werkzeuge aber kaum nutzen. Das betrifft kleine Betriebe wie Friseursalons ebenso wie Mittelständler und Verwaltungen. Hinzu kommt Artikel 4 der EU-KI-Verordnung, der Anbieter und Betreiber von KI-Systemen seit Februar 2025 verpflichtet, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen. Für gemeinsame Lektüre im Team gibt es Angebote für Teams und Organisationen.
Was ist kicoach.app?
Die Website kicoach.app gehört zum Buch „Der KI-Coach. Wie Künstliche Intelligenz verändert, was es heißt, ein Mensch zu sein.“ von Niko Martzy, erschienen bei Whitesides Publishers in Berlin. Dort gibt es die signierte Sonderausgabe, das Hörbuch, eine Leseprobe, den kostenlosen Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“ per Newsletter und diesen Blog über das neue Berufsbild.
Weiterlesen
Wer den Beruf in seiner ganzen Begründung verstehen will, findet sie in Martzys Buch: 444 Seiten über Potenzial und Risiken der KI, ohne Tutorial-Ton und ohne rosarote Brille. Ein guter Einstieg ist die Leseprobe mit Vorwort und erstem Kapitel. Die signierte Sonderausgabe gibt es nur hier über Der KI-Coach vorbestellen, das Hörbuch ist gelesen mit der Stimme des Autors, mit KI erzeugt. Mehr über Aufbau und Thesen erfahren Sie in unserer Vorstellung des Buchs „Der KI-Coach“.
Quellen
- Bitkom, Durchbruch Künstliche Intelligenz (Unternehmensbefragung), 15.09.2025, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Durchbruch-Kuenstliche-Intelligenz
- Bitkom, Ein Fünftel im Job zu KI geschult (Beschäftigtenbefragung), 2025, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Ein-Fuenftel-im-Job-zu-KI-geschult
- Europäische Kommission, KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung (AI Act), 2025, https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/node/13616
- Startup-Verband, Next Generation: Startup-Neugründungen in Deutschland 2025, Januar 2026, zusammengefasst vom Bundeswirtschaftsministerium: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/startup-rekordjahr.html
- Niko Martzy, Der KI-Coach. Wie Künstliche Intelligenz verändert, was es heißt, ein Mensch zu sein., Whitesides Publishers, Berlin 2026 (ChatGPT-Nutzerzahlen, Weiterbildungsquote, Fall Steven Schwartz)
Über das Buch und den Autor
Niko Martzy ist Bildungsunternehmer in Berlin. Unter dem Dach seiner Akademie begleiten Coaches und Dozenten Menschen durch den größten Umbruch der Arbeitswelt.
Ebenfalls lesenswert
KI-Manager oder KI-Coach? Wer im Unternehmen was verantworten sollte
Der KI-Manager verantwortet das Was und Womit, der KI-Coach das Wie und Wer. Warum Unternehmen beide Rollen brauchen und wie man sie sauber trennt.
Dreißig Lizenzen, drei Nutzer: Warum die KI-Einführung scheitert
Dreißig Lizenzen gekauft, drei Menschen nutzen sie. Warum die KI-Einführung an Menschen scheitert und nicht an der Technik, und was stattdessen funktioniert.

