Weiterbildung

KI-Weiterbildung: So erkennen Sie ein gutes Angebot, bevor Sie buchen

Zertifiziert, praxisnah, kompakt: Fast jede KI-Weiterbildung verspricht dasselbe. Was ein gutes Angebot ausmacht, steht selten auf der Kursseite. Eine Orientierung entlang des Buchs „Der KI-Coach“ von Niko Martzy, für alle, die vor der Buchung klüger sein wollen als danach.

Redaktion Der KI-Coach · nach dem Buch von Niko Martzy · · 13 Minuten Lesezeit

Erwachsene zwischen 40 und 55 arbeiten in einem Seminarraum konzentriert an Laptops, eine Frau schreibt mit
KI-Weiterbildung lohnt sich, wenn man danach etwas selbst kann, das man vorher nicht konnte. Symbolbild, mit KI erzeugt.

Es ist kurz nach zehn, der Abwasch ist erledigt, auf dem Küchentisch steht der Laptop. Man kann sich diese Szene gerade in vielen Wohnungen vorstellen: Eine Sachbearbeiterin Anfang fünfzig, seit Jahrzehnten im Beruf, hat im Browser sieben Tabs geöffnet. Sieben Angebote zur KI-Weiterbildung. Alle sind „zertifiziert“, alle „praxisnah“, alle wollen sie „fit für die Zukunft“ machen. Eines verspricht vierzig Tools in drei Tagen, ein anderes ein Abschlusszertifikat mit Siegel, das dritte einen Prompt-Baukasten zum Herunterladen. Sie scrollt, vergleicht und weiß am Ende des Abends weniger als am Anfang.

Nicht, weil sie zu wenig über KI wüsste. Sondern weil die Kursseiten auf eine Frage antworten, die sie nicht gestellt hat. Sie will nicht wissen, wie viele Tools sie kennenlernen wird. Sie will wissen, ob sie danach an ihrem Schreibtisch etwas anders und besser machen kann als vorher.

Niko Martzy beschreibt in seinem Buch „Der KI-Coach“ dasselbe Problem am anderen Ende des Berufslebens. Laut Buch nutzen 65 Prozent der Studierenden täglich KI-Tools, ohne je systematisch darin ausgebildet worden zu sein. Martzy vergleicht sie mit Kindern, die auf einem Klavier herumhämmern, statt spielen zu lernen. Es entstehen Töne, manchmal sogar laute. Musik entsteht so nicht.

Eine gute KI-Weiterbildung erkennt man daran, dass sie Handlungsfähigkeit schafft statt Tool-Demos. Sie nennt eine klare Zielgruppe und überprüfbare Lernziele, übt an realen, begrenzten Arbeitsabläufen, behandelt Datenschutz, Recht und Fehlerfolgen, wird von methodisch erfahrenen Lehrenden getragen und legt Umfang, Kosten und Transfer offen. Entscheidend ist, was Sie danach selbst können.

Warum KI-Weiterbildung gerade jetzt keine Kür mehr ist

Die Zahlen beschreiben ein Land, das die Bedeutung einer Technologie erkannt hat und trotzdem zögert. 81 Prozent der Unternehmen in Deutschland halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie, so der Digitalverband Bitkom in seiner Studie „Künstliche Intelligenz 2025“. Martzy stellt dieser Zahl im Buch eine zweite gegenüber: Weniger als ein Drittel bildet seine Mitarbeiter systematisch darin weiter. Zwischen Überzeugung und Handlung klafft eine Lücke, und sie ist nicht technisch.

Die Beschäftigten spüren das. In einer Befragung von Bitkom aus dem Jahr 2025 gab rund ein Fünftel an, bereits im Umgang mit KI geschult worden zu sein. 70 Prozent sagten, ihr Arbeitgeber biete gar keine KI-Schulung an (Bitkom, Beschäftigtenbefragung 2025). Wer etwas lernen will, sitzt also häufig allein vor den Kursseiten. So wie die Frau am Küchentisch.

Hinzu kommt ein Rechtsrahmen, der das Thema aus der Ecke der freiwilligen Extras geholt hat. Seit dem 2. Februar 2025 gilt Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung, des AI Act. Er verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zu ergreifen, damit ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt (Europäische Kommission). Ein bestimmtes Zertifikat schreibt die Regel nicht vor. Manche Angebote erwecken den Eindruck einer amtlichen Plakette. Verlangt wird aber Kompetenz, keine Urkunde.

Martzy hat für die europäische Neigung, lieber zu regeln als zu probieren, einen Satz, der hier gut passt: „Wir haben in Europa die Regeln geschrieben, bevor wir das Spiel gespielt haben.“ Daraus folgt für ihn kein Lamento, sondern ein Auftrag. Wer abwartet, bis sich der Markt sortiert hat, verliert Zeit, die sich nicht nachholen lässt. Oder, wie es im Buch heißt: „Die größte Gefahr ist nicht die Technologie. Es ist die Tatenlosigkeit.“

Eine gute KI-Weiterbildung beginnt mit der Frage, auf welcher Ebene Sie lernen wollen

Viel Enttäuschung entsteht, weil Menschen einen Wochenendkurs buchen und eine Berufsqualifikation erwarten, oder ein monatelanges Programm beginnen, obwohl sie nur im Alltag sicherer werden wollten. Es hilft, drei Ebenen zu unterscheiden.

Die erste Ebene ist Grundkompetenz für alle. Hier geht es darum, KI sicher und kritisch zu nutzen: verstehen, was ein Sprachmodell tut und was nicht, wohin Daten fließen, warum eine flüssig formulierte Antwort falsch sein kann, wie man nachfragt, präzisiert, prüft. Martzy betont im Buch, dass KI eine Sprachmaschine ist. Wer präziser formuliert, bekommt präzisere Ergebnisse. In einem Land, dessen Denktradition so eng mit Sprache verbunden ist, sieht er darin einen Heimvorteil. Diese Ebene ist im Kern das, was der AI Act meint, wenn er von KI-Kompetenz spricht.

Die zweite Ebene ist die Vertiefung im eigenen Fach. Eine Steuerberaterin braucht andere Übungen als ein Vertriebsleiter, eine Pflegedienstleitung andere als ein Dachdecker. Gute Angebote dieser Ebene arbeiten mit den Dokumenten, Abläufen und Fehlerfolgen eines Berufsfelds. Sie fragen nicht, was KI alles kann, sondern wo sie in Ihrem Alltag nötig ist, wo sie empfehlenswert ist und wo sie besser eingesetzt werden kann als bisher.

Aufgeschlagenes Notizbuch mit gezeichneten Kästchen und Pfeilen, daneben Bleistift und Kaffeetasse
Das Lernjournal: Was hat funktioniert, was nicht, und warum? Symbolbild, mit KI erzeugt.

Die dritte Ebene ist ein neuer Berufsweg. Martzy widmet dem KI-Coach zwei Kapitel seines Buchs und beschreibt ihn als jemanden, der Technologie, Menschen und Unternehmen zugleich versteht. Wer eines davon beherrscht, ist Spezialist. Wer alle drei verbindet, ist selten. Was diese Rolle ausmacht, erklärt der Beitrag Was ist ein KI-Coach?. Wie sie sich von der Funktion abgrenzt, die in Unternehmen oft als KI-Manager bezeichnet wird, zeigt der Vergleich KI-Coach oder KI-Manager. Für diese dritte Ebene reicht ein Seminar nicht. Hier geht es um systematisches Lernen, dokumentierte Praxis und die Fähigkeit, anderen etwas beizubringen.

Woran Sie ein gutes Angebot erkennen, bevor Sie buchen

Der Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“, den es als Extra zum Buch gibt, nennt Kriterien für gute Qualifizierung. Sie lesen sich unspektakulär. Gerade darin liegt ihre Stärke, denn sie beschreiben ziemlich genau das Gegenteil dessen, womit viele Kursseiten werben.

Das erste Kriterium ist eine klare Zielgruppe mit überprüfbaren Lernzielen. „Für alle, die KI nutzen wollen“ ist keine Zielgruppe. „Für Teamleitungen im Kundenservice, die nach dem Kurs Antwortvorlagen mit KI entwerfen und prüfen können“ schon. Ein überprüfbares Lernziel beschreibt eine Handlung, kein Gefühl. „Sicherer werden im Umgang mit KI“ lässt sich nicht prüfen. „Einen Bericht mit KI zusammenfassen und die Zusammenfassung gegen die Quelle prüfen“ sehr wohl.

Das zweite Kriterium ist Praxis an realen, begrenzten Prozessen. Begrenzt ist das wichtigere Wort. Wer in drei Tagen das ganze Unternehmen automatisieren will, lernt am Ende vor allem, wie beeindruckend Demos aussehen. Wer einen einzigen Ablauf auswählt, ihn sauber durchspielt und festhält, was die KI nie allein entscheiden darf, nimmt etwas mit, das am Montag funktioniert. Der Ratgeber schildert eine Friseurin mit zehn Mitarbeitenden, die genau so vorgeht: Terminausfälle, wiederkehrende Kundenfragen und Verwaltung kosteten Zeit, also wurde ein klar begrenzter Ablauf ausgewählt, die Daten geprüft, die Freigaben definiert. Am Ende stehen wiederverwendbare Vorlagen, die letzte Entscheidung bleibt beim Menschen, und das Team entwickelt selbst weiter.

Das dritte Kriterium sind Datenschutz, Recht, Qualität und Fehlerfolgen. Nicht als Pflichtfolie am Ende des zweiten Tages, sondern als roter Faden durch das ganze Programm. Was darf in welches System? Wer trägt die Folgen, wenn eine KI-gestützte Auskunft falsch ist? Woran erkennt man, dass ein Ergebnis gut genug ist?

Das vierte Kriterium ist die methodische Erfahrung der Lehrenden. Ein brillanter Techniker ist nicht automatisch ein guter Vermittler. Sinngemäß heißt es im Ratgeber, wer nur Tools kenne, bleibe Trainer, und wer nur moderiere, bleibe Prozessbegleiter. Fragen Sie nach, wie die Lehrenden üben lassen, wie sie mit Fehlern umgehen und wie sie Fachfremde mitnehmen.

Das fünfte Kriterium ist Transparenz: Umfang, Kosten und ein Transfernachweis. Wie viele Stunden sind es wirklich, und wie viel davon ist eigenes Üben? Was kostet das Angebot vollständig, mit Prüfung und Material? Und woran wird am Ende sichtbar, dass Sie das Gelernte anwenden können?

Infografik · Checkliste

Fünf Merkmale einer guten KI-Weiterbildung

  • Klare Zielgruppe, überprüfbare LernzieleSie wissen vorher, welche Handlung Sie danach selbst ausführen können.
  • Praxis an echten, begrenzten AbläufenGeübt wird an Aufgaben aus Ihrem Arbeitsalltag, nicht an Demo-Beispielen.
  • Datenschutz, Recht, Qualität, FehlerfolgenAls roter Faden durch das Programm, nicht als Pflichtfolie am Ende.
  • Lehrende mit methodischer ErfahrungGute Technik allein macht noch keine gute Vermittlung.
  • Transparenz bei Umfang, Kosten und TransferWie viel eigenes Üben, was kostet es vollständig, woran wird der Lernerfolg sichtbar?

Drei Fragen vor der Buchung: Was kann ich danach? Wie wird es geprüft? Welche Förderung gilt für mich?

Ein Zertifikat gibt Orientierung. Glaubwürdigkeit entsteht durch verständliche Vermittlung, dokumentierte Praxis und verantwortliche Grenzen. Förderung hängt von persönlichen Voraussetzungen und Bewilligung ab.Quelle: Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“ zum Buch „Der KI-Coach“, Whitesides Publishers 2026

Ein Zertifikat steht in dieser Liste bewusst nicht ganz oben. Der Ratgeber hält fest, ein Zertifikat gebe Orientierung. Glaubwürdigkeit aber entstehe durch verständliche Vermittlung, dokumentierte Praxis und verantwortliche Grenzen.

Drei Fragen, die Sie vor jeder Buchung stellen sollten

Fragen kann man einem Anbieter direkt stellen. Der Ratgeber verdichtet die Prüfung auf drei.

Welche Handlung kann ich danach selbst ausführen? Diese Frage zwingt beide Seiten zur Präzision. Wenn die Antwort mit „Sie kennen dann …“ beginnt, ist Vorsicht angebracht. Kennen ist nicht Können. Eine gute Antwort beschreibt eine Tätigkeit aus Ihrem Arbeitsalltag, die Sie nach der Weiterbildung ohne fremde Hilfe erledigen.

Wie werden Praxis, Qualität und Grenzen geprüft? Hier zeigt sich, ob ein Angebot Lernen ernst nimmt. Gibt es Übungsaufgaben mit realistischen Unterlagen? Wird bewertet, ob Sie ein fehlerhaftes KI-Ergebnis erkennen? Wird darüber gesprochen, wofür KI in Ihrem Feld ungeeignet ist? Eine Prüfung, die nur Begriffe abfragt, prüft Gedächtnis, keine Kompetenz.

Welche Förderung gilt für meine persönliche Situation? Die Frage ist bewusst in der Ich-Form gestellt. Es gibt keine pauschale Antwort, die für alle stimmt, und ein seriöser Anbieter wird Ihnen keine versprechen. Mehr dazu weiter unten.

Wer auf keine der drei Fragen eine klare Antwort bekommt, hat trotzdem etwas gelernt. Und vermutlich Geld gespart.

Was keine KI-Weiterbildung Ihnen abnehmen kann

Es gibt eine unbequeme Wahrheit über jede Form von Weiterbildung: Sie wirkt nur, wenn danach etwas passiert. Martzy beschreibt im Buch ein Unternehmen, das dreißig KI-Lizenzen kauft und am Ende drei Nutzer hat. Eine gekaufte Stradivari, so sein Bild, spielt kein Konzert ohne Übung und Begleitung. Für Kursplätze gilt das genauso wie für Lizenzen.

Niemand muss auf den perfekten Kurs warten, um anzufangen. Der wirksamste Lernraum ist oft der eigene Arbeitstag, manchmal auch der eigene Küchentisch.

Der Ratgeber schlägt dafür zwei Werkzeuge vor. Das erste ist das Lernjournal: ein Heft oder eine Datei, in der Sie festhalten, was Sie ausprobiert haben, was funktioniert hat, was nicht, und woran Sie einen Fehler erkannt haben. Das klingt nach Schule, macht aber aus Herumprobieren eine Lernkurve. Das zweite ist ein 30-Tage-Experiment in vier Wochen. In der ersten Woche beobachten Sie, wo in Ihrem Alltag wiederkehrende Aufgaben liegen. In der zweiten erproben Sie KI an einer davon. In der dritten erklären Sie jemandem, was Sie gelernt haben. In der vierten überlegen Sie, wie Sie sich mit diesem Wissen positionieren wollen.

Frau Anfang fünfzig übt abends am Küchentisch mit dem Laptop
Lernen beginnt vor dem Kurs: am Küchentisch, mit einer echten Aufgabe. Symbolbild, mit KI erzeugt.

Wer so vorgeht, bucht später anders: mit eigenen Beispielen im Gepäck, besseren Fragen und einem Gespür dafür, ob ein Kurs weiterführt oder nur vorführt, was man längst kann.

„Die Schwelle ist niedriger als bei jeder Technologie zuvor. Ein Laptop genügt. Der erste Prompt reicht.“

Misstrauen gehört auf den Lehrplan jeder KI-Weiterbildung

Ein Kriterium verdient einen eigenen Abschnitt, weil es in Kursbeschreibungen fast nie vorkommt: das Training des Zweifels.

Im Jahr 2023 reichte der New Yorker Anwalt Steven Schwartz bei Gericht einen Schriftsatz ein, der sechs Präzedenzfälle anführte. Sie waren sauber formatiert, mit Aktenzeichen versehen und von ChatGPT erfunden. Schwartz war kein Laie, sondern ein Profi, der einem überzeugend klingenden Werkzeug vertraute. Martzy behandelt solche Halluzinationen nicht als Kinderkrankheit, die sich irgendwann von selbst erledigt. Sie sind für ihn der Grund, warum der Mensch wach bleiben muss.

Der beliebte Vergleich mit dem Taschenrechner greift deshalb zu kurz. Auch dort bleibt die Verantwortung beim Menschen, das stimmt. Aber Fehler einer KI sehen plausibel aus. Sie tragen Aktenzeichen.

Noch subtiler ist, was Martzy im Kapitel „Die miese Masche“ beschreibt. Er baute an einem Tag fünf Anwendungen und merkte am dritten Tag, dass es Fassaden waren: gemalte Fenster, Türen ins Leere. Die Maschine hatte nie Nein gesagt, sondern jede Idee für großartig erklärt. KI gewinnt Vertrauen über Verhalten, so seine Beobachtung, und gerade kluge Menschen sind dafür anfällig.

Eine KI-Weiterbildung, die nur zeigt, was alles geht, bereitet auf diese Momente nicht vor. Eine gute lässt Sie Fehler suchen, Quellen gegenprüfen, Widerspruch provozieren. Sie übt die Aufforderung „Belege das“ genauso wie „Schreib mir das“.

„Ein KI-Coach lehrt nicht nur, wie man KI nutzt. Er lehrt, wie man KI misstraut.“

Die Förderung ist möglich, aber sie hängt an Ihrer Situation

Deutschland hat, so beschreibt es Martzy, ein Ökosystem der zweiten Chance: Volkshochschulen, Kammern, das duale System, Akademien, staatlich finanzierte Weiterbildung. An Strukturen mangelt es nicht. Sein Befund ist ein anderer: „Deutschland hat nicht zu wenig Technologie. Deutschland hat zu wenig Mut, die Technologie an die Menschen zu bringen. Die Infrastruktur ist da. Der Inhalt fehlt.“

Für die Finanzierung einer KI-Weiterbildung gibt es Wege. Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter einen Bildungsgutschein beantragen. Auch Beschäftigte können unter bestimmten Bedingungen über die Arbeitsagentur gefördert werden. Ob und in welchem Umfang gefördert wird, hängt aber von Ihren persönlichen Voraussetzungen, von der jeweiligen Maßnahme und von der Bewilligung ab. Für den Bildungsgutschein muss die Maßnahme außerdem für die Arbeitsförderung zugelassen sein.

Der wichtigste Rat ist deshalb unspektakulär: Lassen Sie sich beraten, bevor Sie buchen, nicht danach. Ein Gespräch mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter klärt, was in Ihrer Lage möglich ist. Seien Sie vorsichtig bei Angeboten, die eine Förderung als sicher darstellen, bevor jemand Ihre Situation geprüft hat. Eine Förderzusage kann nur die zuständige Stelle geben.

Für Unternehmen schafft Schulung an echten Prozessen eine gemeinsame Sprache

Arbeitgeber, die KI-Systeme einsetzen, müssen nach Artikel 4 des AI Act für ausreichende KI-Kompetenz sorgen und wollen zugleich, dass sich die Investition lohnt. Beides spricht gegen Massenschulungen mit Standardfolien.

Wirksamer ist es, an den echten Prozessen des eigenen Hauses zu üben. Welche Anfragen kommen jeden Tag wieder? Welche Dokumente kosten unverhältnismäßig viel Zeit? Wo darf KI unterstützen, wo nie allein entscheiden? Martzy beschreibt, wie solche Klärungen oft schneller gehen, als Unternehmen erwarten: „Das ist kein Zukunftsszenario. Das ist eine Dienstagnachmittag-Sitzung mit dem richtigen Menschen.“

Wer diese Fragen im Team klärt, schult nicht nur Fähigkeiten, sondern schafft eine gemeinsame Sprache. Das ist der unterschätzte Effekt: Wenn alle wissen, was mit „prüfen“, „freigeben“ oder „Vorlage“ gemeint ist, wird KI vom privaten Experiment Einzelner zum Werkzeug der Organisation. Dazu gehört auch die Frage, was KI im Alltag kostet und wer den Nutzen erntet. Ihr geht die Folge „Die KI spart Zeit. Wer bezahlt die Rechnung?“ des Podcasts KI Hero nach (mit Niko Martzy, Bild und Stimmen mit KI erzeugt). Für Teams, die das Buch gemeinsam lesen und als Ausgangspunkt nutzen wollen, gibt es auf der Seite Für Teams und Organisationen Sammelbestellungen, Begleitmaterial und ab 20 Exemplaren ein Q&A mit dem Autor.

Häufige Fragen

Ist KI-Weiterbildung für Unternehmen Pflicht?

Im Kern ja. Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Artikel 4 des EU AI Act Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu ergreifen. Eine bestimmte Schulung oder ein bestimmtes Zertifikat schreibt die Regel nicht vor. Unternehmen müssen aber dafür sorgen, dass Mitarbeitende, die mit KI-Systemen arbeiten, diese sicher und kritisch einsetzen können, angepasst an Vorkenntnisse und Einsatzzweck.

Welche KI-Weiterbildung ist sinnvoll?

Sinnvoll ist die KI-Weiterbildung, die zu Ihrem Ziel passt. Für die meisten Menschen ist das zuerst Grundkompetenz: KI sicher und kritisch nutzen, Ergebnisse prüfen, Daten schützen. Danach lohnt die Vertiefung im eigenen Fach an realen Abläufen. Wer andere befähigen will, braucht einen systematischen Weg mit Praxisnachweis. In jedem Fall zählt, welche Handlung Sie danach selbst ausführen können.

Brauche ich Programmierkenntnisse für eine KI-Weiterbildung?

Nein, für die meisten Weiterbildungen nicht. Aktuelle KI-Systeme werden über Sprache gesteuert, präzises Formulieren ist wichtiger als Code. Martzy beschreibt im Buch Dachdecker, Steuerberaterinnen und Personalleiter, die mit sogenanntem Vibe Coding eigene kleine Software bauen, ohne Informatiker zu sein. Wichtiger als Programmieren sind Fachwissen, kritisches Prüfen und die Bereitschaft, regelmäßig zu üben.

Wird eine KI-Weiterbildung gefördert?

Das ist möglich, aber nicht automatisch. Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen können bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter einen Bildungsgutschein beantragen, Beschäftigte können unter bestimmten Bedingungen über die Arbeitsagentur gefördert werden. Ob gefördert wird, hängt von Ihren persönlichen Voraussetzungen, der Maßnahme und der Bewilligung ab. Lassen Sie sich deshalb vor der Buchung beraten.

Woran erkenne ich ein seriöses Zertifikat?

Ein seriöses Zertifikat bescheinigt, was Sie nachweislich können, nicht nur, dass Sie anwesend waren. Achten Sie darauf, ob Lernziele, Umfang und Prüfungsform offengelegt sind und ob praktische Aufgaben bewertet werden. Für einen Bildungsgutschein muss die Maßnahme zugelassen sein. Ein bestimmtes Zertifikat verlangt der AI Act nicht. Glaubwürdigkeit entsteht durch dokumentierte Praxis und verständliche Vermittlung.

Wie werde ich KI-Coach?

Der Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“ beschreibt fünf Schritte: selbst anwenden und ein Lernjournal führen, systematisch lernen, Praxis nachweisen, sich spitz positionieren und anfangen. Gefragt sind drei Kompetenzfelder: Anwenden, Vermitteln, Einordnen. Den Ratgeber mit Selbsttest gibt es kostenlos über den Newsletter auf kicoach.app, mehr zum Berufsbild steht im Beitrag Was ist ein KI-Coach?.

Weiterlesen

Wer verstehen will, warum Martzy die eigentliche Lücke der KI-Revolution nicht in der Technik, sondern beim Menschen sieht, findet die ganze Argumentation in seinem Buch „Der KI-Coach. Wie Künstliche Intelligenz verändert, was es heißt, ein Mensch zu sein.“ (Whitesides Publishers, 444 Seiten). Ein guter Einstieg ist die Leseprobe mit Vorwort und erstem Kapitel, die signierte Sonderausgabe gibt es direkt auf kicoach.app. Einen Überblick über Inhalt und Aufbau bietet der Beitrag Das KI-Buch „Der KI-Coach“. Und wer prüfen will, ob in ihm selbst ein KI-Coach steckt, bekommt den Ratgeber „Berufsbild KI-Coach“ mit Selbsttest gratis über den Newsletter.

Quellen

Niko Martzy, Porträt im Büro über den Dächern von Berlin

Über das Buch und den Autor

Niko Martzy ist Bildungsunternehmer in Berlin. Unter dem Dach seiner Akademie begleiten Coaches und Dozenten Menschen durch den größten Umbruch der Arbeitswelt.

Mehr über den Autor

Ebenfalls lesenswert